Lothar

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Lebensbilder von der Straße

Lothar

* 1956 in Bottrop geboren

Nach der siebten Klasse bin ich von der Hauptschule ab. Die Lehre zum Autoschlosser habe ich geschmissen. Vier Jahre habe ich bei Thyssen malocht, dann in einer Schrauberklitsche. Arbeit war nicht so wichtig. Es waren wilde Zeiten: Alkohol, Party, Drogen und mit der Gitarre im Gepäck herumreisen. Meine Ehe scheiterte nach sieben Jahren, wir hatten uns auseinander gelebt. Ich arbeitete tags, sie nachts. Ich trank viel. Den Wochenlohn von Freitag hatte ich bis Montag versoffen. Später war ich viel auf Montage. Eine Wohnung brauchte ich nicht. Das Wochenende habe ich im Hotel verbracht oder in der Bahnhofsspelunke. Dann passierte das große Unglück: Als mein Kumpel wieder einmal Frau und Kind vermöbelte, ging ich dazwischen. Es kam zu einer Rangelei, dabei starb er. Das habe ich nicht verkraftet. Nach zwei Jahren auf Platte habe ich mich bei meinem Jugendfreund Mickey einquartiert, bis die Wohnung geräumt wurde. Zusammen bekamen wir keine neue Wohnung und sind gemeinsam mit Günter und unseren Hunden in einen Wohnwagen gezogen. Später habe ich bei einer Frau gewohnt. Ich trauere der alten Zeit oft hinterher und denke an meine Kumpels von damals. Die meisten sind schon tot.

 

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